wildistscheu

Karen Köhler WILD IST SCHEU

Komposition: Lars Rudolph
Mit: Leonie Benesch
Ton: Daniel Senger, Robert Müller, Andreas Völzing
Länge: 62:42 min
Dramaturgie: Andrea Oetzmann
Regie: Kai Grehn
Eine Produktion des SWR 2019
 
 

SIE: Wo bleiben denn die Vögel im Winter? Können doch nicht alle ziehen wie die Stare.

Eine Frau, ein Hochsitz, ein Wald, eine Matte aus Schaumstoff, eine Isomatte, ein Schlafsack, eine Decke, ein Wasserkanister, eine Taschenlampe, ein Vogelbestimmbuch, Zeitungen, ein Notizbuch, ein Stift, eine Laute, Kleidung, ein Aufnahmegerät.
Durch den plötzlichen Tod des Partners aus der Bahn geworfen, bricht die allmählich aus dem Schockzustand erwachende Ich-Erzählerin mit dem Nötigsten aus dem zivilisierten Leben aus. Ihr Domizil ist ein weit abgelegener Hochsitz draußen in der Wildnis.
„WILD IST SCHEU“ erzählt mit feiner Melancholie, leisem Humor und großem Zartgefühl von einem Abschied.
 

Die Würde wahren

„In der SWR-Produktion besteht das gesamte musikalische Material lediglich aus ein paar laienhaft naiv wirkenden, schlichten Klängen einer Laute. Und eben das ist hervorragend gesetzt! Ganz fein verwoben mit Naturklängen unter dem gesprochenen Wort als Inzidenzmusik im Text, hin und wieder kommen noch ein paar unprätentiöse Gesangstöne dazu. Oder rein musikalisch als Szenen-Trenner, ebenfalls gänzlich uneitel.
Und so ist das ganze Stück. Keinerlei angestrengte Dramatik, aber immense Spannung. Der gesamte Bogen der Erzählung wird ohne irgendwelche Effekthascherei, ohne ausgestellte Tragik, mit wunderbarer Gelassenheit in dauernder Spannung gehalten. Je mehr sich dem Hörer die Dramatik der Geschichte erschließt, desto leiser wird die Darstellung; ein ganz geduldig langsames Diminuendo, von großer Sensibilität und Zartheit, fern von jeglichem Kitsch.“

(Dietrich Petzold, Deutschlandfunk Kultur, 29.10.2019)

„In ‚Wild ist scheu‘ von Karen Köhler, inszeniert von dem sehr präzisen Kai Grehn, zieht eine Frau auf einen Hochsitz. Sie muss sich in der Ruhe des Waldes selbst beruhigen, um in den neuen Lebensrhythmus zu finden, der sich von der Zivilisation löst. Leonie Benesch spricht diesen Monolog, der – das erfährt man spät – eine Trauerrede ist.
Wir erfahren von einem Leben, das in Abhängigkeit geführt wird, von einem scheiternden Emanzipationsversuch. „Ich habe wirklich versucht, meine Würde zu bewahren“, sagt die Frau auf dem Hochsitz. Der Preis dafür ist immens.“

(Stefan Fischer, SZ, 15.11.2019)

„Eine lobende Erwähnung spricht die Jury für das Hörspiel „Wild ist scheu“ (SWR 2019) von Karen Köhler aus. Durch den Tod des Partners aus allen Lebensbezügen herausgefallen, zieht sich eine Frau (beeindruckend gespielt von Leonie Benesch) in die Waldeinsamkeit zurück. Die Trauer der Hauptfigur wird durch starke Naturmetaphern und die Zivilisationsflucht in den Wald als mythologischem Ort empathisch spürbar, nicht zuletzt dank des berührenden, poetisch-zarten Textes.“
(Jury der DADK zum Hörspiel des Monats 11/19)

„Kai Grehn, als Bearbeiter großer Stoffe bekannt geworden, nähert sich dem bewusst kleindimensionierten Text von Karen Köhler mit einer Behutsamkeit, die man als poetische Diskretion bezeichnen möchte. Er lässt den Worten ihr Gewicht und ihre Redlichkeit auch da, wo sie sich gelegentlich humorvoll versuchen oder bewusst subsprachlich daherkommen. Die Autorin, die in diesem Jahr mit „Miroloi“ ihr Romandebüt vorlegte, hätte sich keine empfindsamere Umsetzung ihrer Bucherzählung wünschen können.“
(Angela di Ciriaco-Sussdorff, Medienkorrespondenz, 06.12.2019)

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