WAHN
Mit: Michael Kranz, Thomas Schmauser, Martin Feifel, Heinz-Josef Braun, Annika Neugart, Kathrin von Steinburg und Felicia Chin-Malenski
Komposition: TARWATER
Ton: Jean Szymczak, Gerhard Wicho und Regine Elbers
Regieassistenz: Pauline Seiberlich
Länge: 53:30 min
Dramaturgie: Katarina Agathos
Regie: Kai Grehn
Eine Produktion des Bayerischen Rundfunk 2026
PROF. GAUPP: Geschätzte Kollegen, es ist mir eine Ehre, Sie heute hier im Hörsaal 1 der Universität Tübingen begrüßen zu dürfen. Zudem ich nicht allein vor Ihnen stehe. Einen der interessantesten psychiatrischen Fälle dieses Jahrhunderts, darf ich Ihnen hier heute vorstellen, Herrn Ernst Wagner.
In seinem Hörspiel WAHN zeichnet der Schriftsteller Patrick Findeis das Psychogramm des historischen Massenmörders Ernst Wagner, der 1913 seine Familie und mehrere Dorfbewohner tötete und als unzurechnungsfähig eingestuft in die Heilanstalt Winnental eingewiesen wurde. Fast zwanzig Jahre später, im Jahr 1932, wird der Fall plötzlich politisch brisant: Eine mögliche Freilassung Wagners steht im Raum – als Teil einer ideologischen Agenda. Wagner ist glühender Antisemit. Das Hörspiel zeigt, wie Wissenschaft, Kunst und Politik in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche ineinandergreifen, und wie leicht sich Wahrheit manipulieren lässt, wenn ideologische Interessen die Deutungshoheit übernehmen. Im Zentrum steht das spannungsgeladene Dreieck zwischen dem behandelnden Arzt Dr. Wittmann, dem einflussreichen Ministerialrat Kirschler und der aufstrebenden Doktorandin Fräulein Schüle. Während Wittmann um wissenschaftliche Integrität ringt, versuchen Kirschler und Schüle, Wagner umzudeuten: vom paranoiden Mörder zum verkannten Dichter und vermeintlichen Opfer einer „Verschwörung“. Mithilfe historischer Dokumente, Gutachten und Originalzitaten verwebt Findeis seinen Text zu einem Kammerspiel über Wahn und Wirklichkeit.
