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Fernando Pessoa/ Kai Grehn TAPE-RECORDINGS EINES METAPHYSISCHEN INGENIEURS

Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel
Komposition: Shaban
Mit: Robert Gwisdek
Gesang: Claudia Graue feat. Käptn Peng
Technische Realisation: Jean Szymczak
Länge: 66:52 min (Short-Cut: 54:16 min)
Dramaturgie: Katarina Agathos
Soundrecording in Lissabon & Regie: Kai Grehn
Eine Produktion des Bayerischen Rundfunk mit Radio Bremen 2019
Hörbuch-CD mit einem Lissabon-Fotoessay von Andreas Töpfer bei Major Label am 30.10.2020 | 19,90 Euro | ISBN 978-3-945715-36-9
 

PESSOA: Ich brauche Wahrheit und Aspirin.

„Ich schrieb über dreißig Gedichte in einem Zuge in einer Art von Ekstase. Es war der triumphale Tag meines Lebens; einen zweiten dieser Art werde ich nicht erleben. Und dann erschien jemand in mir, dem ich sogleich den Namen Alberto Caeiro gab. Entschuldigen Sie das Absurde des Satzes: In mir war mein Meister erschienen.“
In »Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs« hat Kai Grehn kurze Erzählungen, Gedichte, Texte und Sätze von Pessoa zu einer Partitur vereint und diese vertont. Es sind poetische Miniaturen, Erkundungen mittels Sprache eines von der Philosophie stark beeinflussten Dichters. Texte, die einem die transzendenten und existentiellen Empfindungen Pessoas, sein widersprüchliches Wesen, seine Realitätsverweigerung, seine Liebe zu seinen Mitmenschen, seinen weiten geistigen Horizont, aber auch seine Einsamkeit und Fremdheit näherbringen. Pessoas Texte werden interpretiert von Robert Gwisdek, der 2017 als Käptn Peng auf dem Album »Das nullte Kapitel« mit dem Song »Meister und Idiot« die Hymne einer Persönlichkeitsspaltung veröffentlichte. Mit ihm hat Kai Grehn über mehrere Tage und Nächte Sprachaufnahmen gemacht und die Texte von Pessoa akustisch verortet. Das gesamte Geräusch- und Sounddesign für die Produktion wurde im heutigen Lissabon aufgenommen und der Musiker Shaban lieferte den Soundtrack dazu.
„Unter all den Zeilen und Versen Pessoas findet sich ein Satz, der bei dieser Arbeit für mich die gleiche Bedeutung besessen hat, wie für Seefahrer in früheren Zeiten der Polarstern. Dieser Satz Pessoas lautet: »Die Musik, der Mond und die Träume sind meine magischen Waffen«.“ (Kai Grehn)

Fantastische Klänge

„In »Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs« inszeniert Grehn Kurztexte Pessoas als Sprachnachrichten, mit Robert Gwisdeks Stimme, die gleichzeitig klar und traumtrunken klingt. Und eingebettet in den Sound der heutigen Stadt, vor dem Stillstand des öffentlichen Leben: das Klappern in Cafés, das Kreischen der Straßenbahnen, Regen – vertraute Geräusche des Alltags, die derzeit fehlen, in Lissabon und anderswo. Klänge eines Gottesdienstes wehen heran, Kindertrubel, beinahe gespenstisch verzerrt. Hinzu kommen elektronische Kompositionen, mit denen Grehn die Imaginationskraft des Fantasten Pessoa ins Akustische überträgt. Der ist ein Autor der Stunde, denn er setzt seine Welt weniger aus Realitäten zusammen als aus Erinnerungen und Einbildungen. »Ich bin eine Figur aus einem noch zu schreibenden Roman«, heißt es einmal. Poetischer und trotzdem hellsichtig kann man im Geiste kaum durch eine Stadt flanieren.“
(Stefan Fischer, SZ, 27.03.2020)

„Der Schauspieler und Musiker Robert Gwisdek spricht die Texte überzeugend in einer in sich gekehrten Form, oft flüsternd, passend zu den Klangaufnahmen aus Portugal, die den Rhythmus der poetischen Sprache verstärken. Und so machen der Sound und die Melancholie dieses Hörspiel zu einem magisch-bezaubernden Hörerlebnis.“
(Andi Hörmann, Deutschlandfunk Kultur, 02.11.2020)

„Regisseur und Autor Kai Grehn hat nun ein kleines Meisterwerk vollbracht: Highlights aus seinen persönlichen Lieblingswerken Pessoas hat er als sinnlichen Spaziergang durch Lissabon inszeniert; mit Originalgeräuschen, Musik und einem großartigen Sprecher.
Als visuelle Ergänzung liefert die Hörbuch-Edition eine 62-seitige Foto-Strecke mit Stadtaufnahmen von Andreas Töpfer. Jede Erzählebene bereichert die anderen, sodass das Gesamterlebnis dieses Hörspiels einem philosophischen Kurzurlaub gleicht: eine inspirierende Auszeit in Lissabon.“

(Monika von Aufschnaiter, Bayern5 – Hörbuch der Woche, 06.11.2020)

„Wer Lissabon nur ein wenig kennt, reist mit. Man begleitet Robert Gwisdek, der Pessoa spricht, wie er durch die Stadt flaniert und seine Gedanken in ein Diktaphon spricht oder manchmal auch bloß flüstert, nur unterbrochen von dem Klicken der Stoptaste. Die Musik verstärkt die hypnotische Sogwirkung. Wir befinden uns im Kopf eines Mannes der ganz und gar Innerwelt ist.“
(Tomas Fitzel, RBB Kultur, 11.11.2020)

„Der Musiker Shaban hat einen elektronischen Soundteppich gelegt, der, fast an Schubert erinnernd, häufig das Schreiten eines Wanderers beschreibt. Zudem erklingt immer wieder ein um Schlichtheit bemühtes, mitunter mit Hall unterlegtes Klavierspiel, das die Pessoa-Sentenz „Die Musik … wirkte wie ein Fado auf die Seele“ beglaubigt. Saudade, jene typisch portugiesische Form des Weltschmerzes, ist hier elektronisch verfremdeter Klang geworden.“
(Florian Welle, SZ, 24.11.2020)

„Regisseur Kai Grehn hat mit Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs ein so dichtes, vielschichtiges Hörspiel geschaffen, dass man es mehr als einmal hören will. Der etwas sperrige Titel sollte einen nicht abschrecken, denn sonst würde man eine fantastische Reise verpassen, in die Gedanken des Dichters und in die Geräuschwelt Lissabons. Und nicht zu vergessen: die Hörspiel-CD ist Bestandteil eines schmalen DIN5 großen Buchs, das Fotos von Lissabon bereithält. Andreas Töpfer hat diese s/w Aufnahmen gemacht und sie spiegeln die Stimmung des Hörspiels ideal wieder. Sie zeigen Lissabon jenseits aller Postkarten-Ästhetik, gerade so, als könnte Fernando Pessoa gleich um die Ecke biegen. Was ist also zu tun? Zur Einstimmung ein wenig blättern, dann hören und dann die Fotos gründlich ansehen. Und dann gleich noch einmal hören, um auf wunderbare Sätze zu warten.“
(Leonie Berger, SWR2, 21.11.2020)