Radio - Hörspiele


Cover ZWANGSJACKEDIE ZWANGSJACKE 
Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von
Jack London
Aus dem Amerikanischen von
Ilse Winger
und Erika Kaiser



Hörspielbearbeitung & Regie: Kai Grehn
Komposition: TARWATER 
Violine: Christoph Berg
Mit: Sebastian Blomberg, Carlo Ljubek, Samuel Finzi, Christian Grashof, Vincent Leittersdorf, Pascal Lalo, Maximilian Brauer,  Lars Rudolph

Ton und Technik: Alexander Brennecke und Christoph Richter
Regieassistenz: Gerald Michel | Länge: 82 min | Dramaturgie: Ulrike Brinkmann
Eine Produktion von Deutschlandradio 2016

Hörbuch-CD bei Major Label 2017 | 13,90 Euro | ISBN 978-3-945715-09-3

Nominierung für den Deutschen Hörbuchpreis 2018 (Bestes Hörspiel)


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LinksymbolHörbuch-Videotrailer (MP4, 16 MB)

STANDING: Ich heiße Darrell Standing. Ich bin jetzt vierundvierzig. Die letzten acht Jahre habe ich im Zuchthaus verbracht, fünf davon im Dunkeln. Einzelhaft nennt man das; jene, die es erlebt haben, nennen es: lebendig begraben sein. Doch in diesen fünf Jahren des Lebendig-begraben-Seins ist es mir gelungen, eine Freiheit zu erringen, wie sie nur wenige Menschen gekannt haben. Fünf Jahre lang war ich ein Sternenwanderer.

Professor Darrell Standing, Insasse der Todeszelle des Zuchthauses von Folsom, der den Tod durch den Strang erwartet, erzählt die Geschichte seiner phantastischen Flucht: Wegen Mordes an einem Universitätskollegen angeklagt, wegen nicht begangener Sprengstoffanschläge brutalen Vernehmungsmethoden unterzogen, gefoltert und zuletzt in monatelanger Einzel- und Dunkelhaft in einem zugigen Verlies in der gefürchteten Zwangsjacke beinahe zu Tode gemartert, lernt Standing von einem Mitgefangenen eine geheimnisvolle Kunst: er verlässt den geschundenen Körper, schweift durch Zeit und Raum, tritt in andere, abenteuerliche Leben ein, während er selbst verurteilt ist, zu verlöschen...
"Die Zwangsjacke",  Jack Londons letzter Roman, der wenige Monate vor seinem Tod veröffentlicht wurde, gehört zu den Meisterstücken der phantastischen Literatur, der auch hundert Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren hat.


STERNENWANDERUNG MIT JACK LONDON  
"Es war eine Punktlandung. Zum 100. Todestag Jack Londons wurde das Hörspiel "Die Zwangsjacke" zum ersten Mal ausgestrahlt, so düster, mysteriös und doch berührend, wie der frühe Tod des berühmten amerikanischen Abenteurers und Schriftstellers. Und zu seinem Geburtstag legte Major Label die CD-Fassung vor. Regisseur Kai Grehn und seinem Team gelang mit dieser Hörspielfassung von Jack Londons letztem Roman etwas Unglaubliches. Im doppelten Sinne, denn unglaublich, ja fantastisch ist zunächst die Geschichte selbst, aber unglaublich ist auch, was mit dem (Zu-) Hörer geschieht. Er wird mit auf die Reise genommen, er- und durchlebt sie so, dass er sich am Ende in einem Anflug von Erleichterung erstaunt fragt; ja warum denn nicht? (...) Im Hörspiel gelingt die perfekte Illusion. Diese fantastischen Zeitreisen werden vor dem geistigen Auge wahr. Wie der Blick durch das eingestanzte Auge in die ungewöhnliche CD-Hülle. In ihr verbirgt sich eine ungeahnte Welt und sie bleibt unsichtbar, wie abgeschnitten, bleibt verborgen, wenn wir sie nicht mit Macht zerreißen." (Bernhardt Rengert, MOZ, 22.01.17)

"Betörend und beängstigend wechselt spirituelle Erfahrung mit brutaler Realität ab. Diesen janusartigen Charakter greift das Hörspiel auf. Stimmungen brechen nicht ständig ab. Sie werden vielmehr ausgehalten, mit Ruhe und unbeirrbarer Konsequenz. Darin liegt eine Kraft, die das Hörspiel über die Dauer zu einer irritierend-verstörenden Reise ins Unbewusste werden lässt; zu einer Ausfahrt in ferne Welten." (Anja Hirsch, FAZ, 12.12.2016)

"Die Intensität dieses Hörspiels ist beängstigend. Jedes noch so kleine Geräusch der zugeschnürten Zwangsjacke wird zu Nadelstichen in den Gehörgängen, zum Phantomschmerz in der Psyche des Zuhörers. (...) Diese Inszenierung des Regisseurs Kai Grehn verzichtet auf schmückendes Beiwerk. Die Konzentration liegt ganz auf der Psychologie und lässt den esoterischen Subtext hinter sich. Ein Hörspiel, das die Einbildungskraft feiert, das Phantasma als eine geisterhaft akustische Reise über das Bewusstsein hinaus."
(Andi Hörmann, DeutschlandRadio, 16.01.2017)

"Mit Sebastian Blomberg in der Hauptrolle hat Regisseur Kai Grehn den Roman in ein spannendes Hörspiel umgeschrieben, das den Hörer so schnell nicht loslässt."
(hilo, Münchner Merkur, 08.05.2017)

"Kai Grehn, das hat er schon in unzähligen Hörspielen bewiesen, ist ein Meister darin, Räume und Szenen so zu inszenieren, dass sich Stimmungen sehr unmittelbar vermitteln. Das gilt insbesondere für abstrakte Räume oder Gedankenräume der Protagonisten. Im Fall von „Die Zwangsjacke“ hat man als Hörerin kaum eine Chance, sich dem konkreten und gedanklichen Kosmos des Gefängnisinsassen zu entziehen. Das liegt zum einen an der brillanten Darstellung von Sebastian Blomberg, der die Qualen und inneren Fluchten von Darrell Standing mit markanter Stimme nicht einfach nur erzählt, sondern mit dem ganzen Körper lebendig werden lässt. Und das liegt auch an der dezenten, aber durchgängigen musikalischen Vertonung des Electronic-Duos Tarwater, mit denen Kai Grehn seit 2007 in zahlreichen Produktionen zusammengearbeitet hat und die sich, so scheint es, quasi blind auf eine gemeinsame Klangsprache aus wenigen identifizierbaren Geräuschen, abstrakten Sounds und einfachen instrumentellen Patterns verständigen können." (Annegret Arnold, Bayern2, 17.12.2016)

"Frei von allen Ängsten, von Folter und Qual macht sich die Hauptfigur in Jack Londons "Die Zwangsjacke", ein zum Tode verurteilter Häftling - die Sprecherleistung von Sebastian Blomberg in Kai Grehns Regie ist beeindruckend." (Stefan Fischer, Süddeutsche Zeitung, 11.11.2016)

"Wie schon bei anderen Projekten, etwa "Der kleine Prinz", arbeitet der Regisseur auch diesmal wieder mit den experimentellen Künstlern der Gruppe "Tarwater" zusammen. Musikalisches Kernmaterial ist eine kleine, melancholische, um eine Mollterz herumgebaute Melodie, die der Geiger Christoph Berg eingespielt hat. Bergs suggestiver Strich wurde danach bearbeitet und entfaltet eine meditative Kraft. Ein dumpfer Pulsschlag, der ganz allmählich anschwillt, unterstreicht das existentielle Thema. Es geht um Selbstkontrolle. Aber vor allem ums Sterbenkönnen; ums Loslassen innerhalb eines unerträglichen Zustands."
(WDR3, Buchrezension, 22.11.2016)

"Regisseur Kai Grehn hat aus Jack Londons Roman ein beklemmendes Hörspiel gemacht. Dabei nutzt er alle akustischen Mittel des Genres, schafft Übergänge zu neuen Welten, die im Gegensatz stehen zu der ebenso spürbaren Enge des Gefängnisses und vor allem der Zwangsjacke" (Leonie Berger, SWR2, 26.11.16)

"Sebastian Blomberg spielt den Insassen und er tut es auf eine geradezu hypnotische Weise. Auch sein Counterpart, der Direktor, ist mit Carlo Ljubek ideal besetzt. In jeder Szene schwingt ein Psychogram mit. Erst die Larmoyanz der Gesetzeshüter, dann die Angst der Macht, die sich ihrer Fundamente beraubt, wenn sie gegen die eigenen Gesetze verstößt. Die Phantastik kommt ins Spiel, wenn die Hauptfigur von ihrem Überlebenstrick berichtet. Durch eine Art Autosuggestion unter Folter gelingt es ihr, sich vollständig in fremde Welten zu begeben. Mal ist sie Sklave in Ketten, mal ein überlebender Schiffbrüchiger, mal ein König. Und immer entbunden vom Körper und damit jenseits der Kerkermauern. Was für ein Bild für die Kraft der Literatur. Was für ein Bild für die Macht von Kunst und Phantasie über die Niederungen des Realen. (...) Einhundert Jahre nach Londons frühem Tod ist das Hörspiel "Die Zwangsjacke" eine literarische Neuentdeckung, eine gelungenen Wiederbelebung" (Tobias Barth, MDR Kultur, 21.11.2016)

"Es gibt den sehr präsenten Ich-Erzähler Sebastian Blomberg. Sein Flüstern, sein Krächzen hat nahezu eine hypnotische Wirkung auf mich gehabt, so dass ich mich selbst fast wie in einer Zwangsjacke gefühlt habe. Dazu kommt die psychodelische Musik des Electronic-Duos Tarwater, die einen Sound komponiert haben, der einen in die Weite des Alls entführt, raus aus der Zelle, raus aus der Zwangsjacke. Den Gegenpart zum Ich-Erzähler, den Direktor der Haftanstalt, interpretiert Carlo Ljubek. Für mich ein äußerst faszinierendes, wenn auch brutales Hörspiel, das viel über Macht und innere Freiheit zu erzählen weiß." (Dorothee Meyer-Kahrweg, HR2 Hörbuchzeit, 13.05.2017)

"Den Raum der Freiheit in einem Marterinstrument zu entdecken, mit dem man umgebracht werden soll, ist keine einfache Übung. Der klaustrophobischen Enge der Zwangsjacke entkommt der Todeskandidat Darrel durch die Abspaltung seines Ichs von seinem Körper. Dabei durchlebt er alle Entwicklungsstadien des Menschen. Als „körperlose Stimme“ findet der Text von Jack London im Hörspiel sein eigentliches Medium und in Sebastian Blomberg eine stimmliche Verkörperung, die in das suggestive Sounddesign von Tarwater eingebunden ist" (Jurybegründung Nominierung DHP 2018)


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