Radio - Hörspiele


Cover MU!MU! oder
PEOPLE MUST BE PUNISHED
Schmierenkomödie von Kai Grehn



Regie: Kai Grehn
Komposition: Lars Rudolph
Mit: Sebastian Blomberg, Andreas Schmidt, Jule Böwe, Alexander Fehling, Lars Rudolph, Sebastian Schwarz
Geräusche: Martin Langenbach
Ton & Mischung: Jean Szymczak im Studio P4, Berlin

Länge: 54 min
Dramaturgie: Holger Rink
Produktion: Radio Bremen 2016


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BOB: Von der Leinenwindel bis zum Leichentuch: nur Geschwafel.

Täglich erscheinen Bob und Arthur vor dem großen Tor im Sperrgebiet. Täglich beobachten sie, wie es bei Sonnenaufgang geöffnet und zum Sonnenuntergang geschlossen wird, und täglich nehmen sie sich vor, den Türhüter, einen ZENturio, um Einlass zu bitten. Doch obwohl die Mittagssonne jeden Tag heißer auf die grauer werdenden Schädel zu brennen scheint, können sie sich nicht aufraffen, ihn anzusprechen. Stattdessen vertreiben sie sich die Zeit mit philosophischem Slapstick und dem Erzählen merkwürdiger Erinnerungen und Visionen. Gedanken an die Liebe werden wach, wenn die junge Mari mit einem Krug Wasser die Szene  betritt und eingreift ins Geschehen... Als Bob und Arthur es endlich wagen, den ZENturio anzusprechen, erwartet sie das Unvorstellbare als letzte Enttäuschung.
"Mu!" – der Titel bezieht sich auf ein Schlüsselwort aus der Zen-Philosophie, das die Leere bezeichnet – spielt mit den Topoi westlicher wie östlicher Weisheiten genauso wie mit Reminiszenzen an Kafka, Beckett, Cummings und Tarkowski. Vor allem aber ist Kai Grehns „Schmierenkomödie“ eine sehr diesseitige Vorlage für eine fulminante Schauspielerperformance. --
„Der Weg nach draußen führt durch die Tür. Warum nimmt niemand diesen Weg?“ (Konfuzius)


Großen Fragen schwungvoll nachgetreten
"Kai Grehns Hörspiel "Mu! oder people must be punished" (...) handelt vom Warten um des Wartens Willen. Und obwohl das Stück geradezu überquillt vor religiösen Metaphern und den ganz großen Fragen, verbirgt sich darin keine Heilsbotschaft. Ganz im Gegenteil: Sollte es jemanden geben, der darin nicht sein eigenes antriebsloses Herumklicken im Facebook-Weltgeschehen wiedererkennt - er wäre zu beneiden.
Nur ist es eben auch verlockend kurzweilig: Im Netz wie hier im Spiel. Sprecher Sebastian Blomberg und Andreas Schmidt spielen einander die Bälle zu, dass man am Zynismus schiere Freude hat. Sie plappern sich in Rage über das Leben mit "seinen Blähungen, seinen Blasphemien, seinen Katatonien, seinem Kommerz, seinem Kopfschmerz, seinen kleinen Passionen und Mysterien".
Autor und Regisseur Grehn deckt die Aggressivität auf, die im Nichtstun schlummert. Den Hass auf die anderen: die Staatssekretäre, das "Negerkinder streichelnde Vorstandsmitglied der Goldenen Bank" - und auf Journalisten, die allesamt Schmierenkomödianten sind. Als "Schmierenkomödie" firmiert auch das Hörspiel selbst. (...) Da wird mit fernöstlicher Weisheit und anderen Blödheiten jongliert, wissendes Lächeln als stumpfe Ignoranz entlarvt. Auch die Philosophie versandet zuverlässig im Geblödel: "So was hat man lange nicht geseh'n", singt einer - und das ist eben gerade nicht "so wunderschön".
Im Großen geht es um Leben, Tod, Schicksal und Wiedergeburt. Auch die der Geschichte: "Kommt Zeit, kommt Krieg, kommt neues Wirtschaftswunderlied", sagt Cäsar im wohl klarsten Moment dieses sonderbar verschachtelten Stücks. Ohne viel Tamtam verbleibt ein durchweg gesprochenes Plädoyer gegen das Gerede."
(Jan-Paul Koopmann, taz, 11.06.2016)


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