Radio - Hörspiele


Cover KLEIST Die heilige Cäcilie oder
die Gewalt der Musik
Eine Vertonung
nach der gleichnamigen Novelle von
Heinrich von Kleist


Bearbeitung: Kai Grehn & Lars Rudolph
Regie: Kai Grehn
Komposition: MARIAHILFF
Erzähler/ Gesang: Lars Rudolph
Technische Realisation: Martin Seelig
Länge: 44 min (Kleister-Cut: 5 x 5 min)
Dramaturgie: Juliane Schmidt
Eine Produktion des RBB 2011

Hörbuch-CD bei Goldbek Rekords 2012 | 15,99 Euro | ISBN B009RDDPFI


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LinksymbolKleist-Live-Performance (MP4, 6,6 MB)

Bänkelsänger: Die vier Söhne heben sich plötzlich in gleichzeitiger Bewegung von ihren Sitzen empor und fangen, mit einer entsetzlichen und gräßlichen Stimme, das GLORIA IN EXCELSIS
zu intonieren an. So mögen sich Leoparden und Wölfe anhören lassen, wenn sie zur eisigen Winterzeit, das Firmament anbrüllen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wollen vier holländische Brüder der Stadt Aachen das Schauspiel einer Bilderstürmerei geben. Im Kloster der heiligen Cäcilie erwarten 300 Gefolgsleute am Fronleichnamstag das Zeichen der Brüder, um mitten im Gottesdienst mit dem Zerstörungswerk zu beginnen. Doch da erscheint Schwester Antonia – oder ist es gar die heilige Cäcilie selbst – mit der Partitur einer alten italienischen Messe, setzt sich an die Orgel und beginnt mit der Aufführung.
„Es regte sich, während der ganzen Darstellung, kein Odem in den Hallen und Bänken; besonders beim salve regina und noch mehr bei dem gloria in excelsis, war es, als ob die ganze Bev&oumlm?;lkerung der Kirche tot sei: dergestalt, dass den vier gottverdammten Brüdern und ihrem Anhang zum Trotz, auch der Staub auf dem Estrich nicht verweht ward.“ Die Geschichte eines Wunders oder einer überwältigenden Erfahrung?
Die Berliner Band Mariahilff und der Regisseur Kai Grehn haben sich die Erzählung von Heinrich von Kleist zu eigen gemacht und - der Sonatenhauptsatzform huldigend, die Kleist seiner Novelle zu Grunde gelegt hat - erzählen und singen sie von diesem Wunder auf ihre ganz eigene, wunderbare Weise.


Die verzauberten Bilderstürmer
"Wenn Lars Rudolph mit seiner markanten Stimme „Feuer und Tod“ ins Mikro raunt, klingt das erst mal wie ein psychedelischer Trip oder ein apokalyptisches Zeitgeistrequiem. Es ist aber – auch, wenn sich das wirklich gut tarnt – astreine Hochkultur. Rudolph hat mit seiner Band Mariahilff tatsächlich eine Novelle des Germanistenlieblings Heinrich von Kleist vertont: „Die heilige Cäcilie“ (...) Kein Wunder, dass es entsprechend schwierig ist, Rudolphs 2009 gegründete Band Mariahilff musikalisch auf den Punkt zu bringen – auch für den Künstler selbst. „Es ist irgendetwas Eigenes“, verweigert er jedweden Einengungsversuch, „was genau, weiß ich auch nicht.“ So gesehen liegt „Die heilige Cäcilie“ voll im Band-Trend: In ihrer Mischung aus Erzählpassagen und Sounds, die wiederum irgendwo zwischen Countrysong, Liturgie, Indierock, ein bisschen Kurt Weill und sehr spezieller Klangkunst-Avantgarde changieren, begründet diese Kleist-Vertonung ein ganz eigenes Genre.
Wer da an Klassiker-Dekonstruktion denkt, ist auf dem Holzweg. Unter sorgfältiger Beibehaltung des sprachmächtigen Kleist-Vokabulars schafft Rudolph mit seinen Musikerkollegen das Kunststück, aus dieser über 200 Jahre alten Novelle völlig anstrengungsfrei Gegenwart atmen zu lassen."
(Christine Wahl, Tagesspiegel, 20.01.2013)


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