Radio - Hörspiele


Cover DURAS DAS IST ALLES. C'EST TOUT.
Hörspiel von Kai Grehn
nach Texten von Marguerite Duras
Aus dem Französischen von
Andrea Spingler




Regie: Kai Grehn
Komposition: MARIAHILFF
Mit: Jeanne Moreau, Mechthild Großmann, Alexander Fehling
Gesang: Lars Rudolph

Ton: Martin Seelig & Susanne Bronder | Regieassistenz: Annika Erichsen | Länge: 54 min
Dramaturgie: Juliane Schmidt | Eine Produktion des RBB 2012

Hörbuch-CD bei Hörbuch Hamburg 2014 | 14,99 Euro | ISBN 978-3-89903-892-7

HR2 Hörbuchbestenliste (April 2014)
Longlist DHP 2015 (Bestes Hörspiel)


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LinksymbolHörbuch-Videotrailer (MP4, 3,1 MB)


MARGUERITE DURAS: Ich bin eine Liebende. Du bist ein Liebender.
Viens. Viens dans le soleil, quel qu'il soit.


Sie sitzt in ihrem Haus in Neauphle-le-Château. Sie schreibt. Sie trinkt. Bisweilen ist ihr Liebhaber um sie, spricht mit ihr, pflegt sie. Dann wieder ist da nichts als das Summen einer sterbenden Fliege. Marguerite Duras, die Grande Dame der französischen Literatur, lebte in ihren letzten Lebensjahren zurückgezogen, mal in ihrer Pariser Wohnung, mal in ihrem Haus in der Normandie. Schaffensphasen wechselten sich ab mit Schreibblockaden, Alkoholexzessen und Klinikaufenthalten. Anfang der 1980er Jahre hatte sie Yann Andréa Steiner kennen gelernt. Der Philosophiestudent, Mitte zwanzig, hatte sich in die fast 40 Jahre Ältere und ihre Romane verliebt. Mit ihm erlebt sie ihre letzte große Liebe, eine Passion zwischen Begehren und Zurückweisen, Gebrauchtwerden und Überdruss, dem Bedürfnis, allein zu sein und der Angst vor der Einsamkeit und dem nahenden Tod. Marguerite Duras’ Gedanken über das Leben, die Liebe und das Schreiben verwebt Regisseur Kai Grehn mit Hilfe ausgewählter Passagen aus ihren Texten C’est tout und Écrire zu einem zweisprachigen Hörspiel.


Am Ende sind wir Liebende 
"Der Regisseur Kai Grehn hat das ein Jahr vor ihrem Tod 1996 erschienene Spätwerk C’est tout  (Das ist alles) verarbeitet und dafür Jeanne Moreau im 8. Arrondissement in Paris aufgesucht; die Aufnahmen mit ihr fanden in ihrem Arbeitszimmer statt. Niemand anderes hätte besser gepasst: Jeanne Moreau stand in Duras-Filmen vor der Kamera und verkörperte sie sogar selbst 2001 in Josée Dayans Film Diese Liebe. Moreau und Duras, miteinander befreundet, stehen für die globale Ausstrahlungskraft der französischen Künste nach 1945 – und für ein selbstbewusstes Rollenmodell moderner Weiblichkeit. Es ist nicht das erste Mal, dass Grehn die Schauspielerin gewinnen konnte: Auch bei seiner Adaption von Charles Baudelaires "Die künstlichen Paradiese", war sie mit dabei, ebenso wie Alexander Fehling. Der 1981 geborene Schauspieler gibt jetzt im Duras-Hörspiel den jungen Geliebten, der zum Fragesteller für eine alt gewordene Autorin, das Alter Ego der Duras, wird. Großartig ist deren deutsche Stimme: Mechthild Großmann, bekannt als Staatsanwältin im Münsteraner Tatort, spricht noch verrauchter und vom Leben gezeichneter als die ältere Moreau – eine hinreißende Inszenierung der intellektuellen Frau. Und so entfaltet sich diese rätselhafte Meditation einer alternden Künstlerin. (...) Wir hören mäandernde Assoziationen und wuchernde Gedanken, die sich immerfort auf somnambule Weise im Nichts verlieren, hier getragen von Stimmen, die grüblerisch den eigenen Worten hinterherhorchen. Michel Foucault nannte es die »Kunst der Armut«, die bei Marguerite Duras herrsche. Gemeint ist eine Kargheit, die verstören kann, ein spätexistenzialistischer Sound, der vor Jahrzehnten so viele begeisterte – mit ihrem Roman Der Liebhaber, in dem sie Erlebnisse ihrer Jugend in Indochina verarbeitete, gelang der Siebzigjährigen immerhin ein Weltbestseller. Entsprechend gestimmt, kann der Hörer auch heute noch ihrer Faszinationskraft erliegen: »Kommen Sie mit ins große Bett. Und dann warten wir, aufs große Nichts.« " (Alexander Cammann, DIE ZEIT, 14.03.2014)

"Marguerite Duras' Sprache ist kraftvoll und zart zugleich. Und exakt diesen Ton trifft das perfekt besetzte Hörspiel: Musik, Sprache (Französisch und deutsch), Stimmen und Klang verbinden sich und versetzen den Hörer in einen Zustand glücklicher Melancholie."
(Saarländischer Rundfunk, 09.09.2012)

"Dieses Hörspiel über die trotzig melancholischen Erinnerungen von Marguerite Duras wurde hinreißend von Kai Grehn komponiert und betörend gesprochen von zwei aufregenden Schauspielerinnen: Die große Jeanne Moreau, über 80 Jahre alt, spricht den französischen, Mechthild Großmann, bekannt für ihre tiefe Stimmlage, den deutschen Part. Dazu kontrastiert perfekt die junge Stimme von Alexander Fehling."
(Jurybegründung HR2-Hörbuchbestenliste April 2014)

""Das ist alles. C'est tout" von Kai Grehn nach späten Texten der Duras ist ein wunderbares Hörspiel. Obwohl es so wenig erzählt. Gerade weil es so wenig konkrete Handlung gibt. Begrenzt von den zurückhaltenden Klängen der Band Mariahilf, öffnet es einen Raum der Widersprüche, in dem Außen und Innen, Realität und Vorstellung untrennbar ineinander übergehen, und darauf kommt es bei Hörspiel ja wohl vor allem an. (...) Die Liebe, das Schreiben, die Einsamkeit, der Alkohol. Solche Exerzitien sind – zugegeben – nicht jedermanns Geschmack. Bei der großartigen Schauspielerin Mechthild Großmann, der deutschen Stimme von Duras, werden sie zu existentiellen Fragen, die uns alle angehen. Großmanns rauchige, tonnenweite Stimme treibt den selbstreferentiellen Schleifen den Ansatz jeglichen Kitsches aus, und ihre Lakonie sorgt an einigen Stellen sogar für den Hauch ironischer Distanz." (Andreas Schäfer, DeutschlandRadio, 18.04.2014)

"Kai Grehn hat Zitate von Marguerite Duras zusammengefügt, auf Deutsch und Französisch, atmosphärisch verbunden durch die Musik der Band Mariahilf und den sirenengleichen Gesang des Schauspielers Lars Rudolf. Alles fließt ineinander und zieht den Hörer mit in einen Sog. Jeanne Moreau spricht die französischen Texte, Mechthild Großmann die deutschen – manchmal werfen sie nur ein einziges Wort in den Raum und wie hingemeißelt steht es dort, in vollkommener Präzision. C’est tout: ein Vermächtnis und ein wunderbares Hörspiel, das einen etwas benommen und doch beglückt und bereichert zurücklässt."
(Sabine Eichhorst,WDR5, 31.03.2014)

"Kai Grehn, dessen auditive Adaptierungen von Werken Charles Baudelaires oder Emily Brontës aufhorchen liessen, hat sich nun der poetologischen Äusserungen Marguerite Duras' angenommen. Indem er Zitate aus den Bänden «C'est tout» (1995) und «Ecrire» (1996) zu einem «Hörspiel nach Texten von . . .» montiert, legt er fundamentale Motive frei, welche Duras' distinkte Regie von Leben und Schreiben erschliessen. Kongenial und atemberaubend prägen die rauchigen, körnigen, störrischen Stimmen zweier herausragender Schauspielerinnen die Szene. Konnte für die französischen Parts keine Geringere als (die jetzt 86-jährige) Jeanne Moreau gewonnen werden, steht ihr die deutsche Schauspielerin Mechthild Grossmann (Jahrgang 1948) an Intensität in nichts nach. Umspielt von den leicht schrägen Instrumentalakkorden der Band Mariahilf, verstärken die geradezu mythischen Stimmen die Radikalität der Marguerite Duras auf auratische Art." (Christiane Zintzen,
NZZ, 04.04.2014)

"Dieses Hörspiel läuft aus dem Lautsprecher wie das Meer, das man häufig im Hintergrund rauschen hört. Wellen die wiederkehren und die doch nie ganz gleich sind, denn die Schauspieler variieren die Sätze ein klein wenig, als unterscheide sich die eine Welle von der anderen nur durch ihre Schaumkrone. Dann wieder sind da Gedanken, die man gerne noch einmal hören möchte, um darüber nachdenken zu können, was genau gemeint ist oder um sich Beispiele zu überlegen. Kai Grehns Hörspiel "Das ist alles" ist auf schlichte Weise sehr kunstvoll und verführt dazu, es immer wieder zu hören. Es ist eine Fundgrube an Gedanken, aufs schönste ineinander verwoben und dargeboten." (Leonie Berger, SWR2, 05.04.2014)

"Kai Grehn hat die Passagen aus den späten Werken "Écrire" und "C’est tout" so zusammengestellt, dass das Bild einer altersweisen, scharfzüngigen Schriftsteller-Diva entsteht, deren klare Gedanken und präzise Analysen keinen Widerspruch dulden. Die ausgezeichnete Auswahl der Sprecherinnen (Jeanne Moreau für den französischen Part und Mechthild Großmann für den deutschen) mit ihren rauen, respekteinflößenden Stimmen, macht diese Collage zu einem intensiven Hörerlebnis." (Ulrike Anders, Emotion 7/14)

"Es sind unaufgeregte, konzentrierte Texte, die Kai Grehn aus den Werken "Écrire" und "C’est tout" für sein Hörspiel ausgewählt hat. Texte, in denen sich die ganze Lebens- und Schreiberfahrung einer klugen und selbstkritischen Schriftstellerin spiegeln. In seiner akustischen Umsetzung lässt Grehn diesen Texten großen Raum. Es gibt nur wenige Geräuschakzente und ein paar tolle musikalische Passagen der Band Mariahilff. Ansonsten sind es Sprache und Stimme, die in diesem Hörspiel den Ton angeben – und zwar einen dunklen, verlebten und dennoch klugen Ton. " (Annegret Arnold, Bayern2, 04.04.2014)

"Ein Essay über Leben und Schreiben, den Kai Grehn kongenial in ein Hörspiel verwandelt hat. Noch viel mehr möchte man von Marguerite Duras in so einer anregenden Hörspielinszenierung hören." (Christel Wester,
WDR3, 04.04.2014)

"Ein großer Abgang: In ihrem letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Text, C'est tout, hat die französische Schriftstellerin Marguerite Duras 1995 über den eigenen, nahenden Tod geschrieben - und die Leidenschaft, mit der sie lebte. Sie erlaubte sich zum Ende also noch einmal einen beachteten Auftritt. Kai Grehn hat diesen Text nun als Hörspiel inszeniert, er hat diesen Monolog zwei Schauspielerinnen überantwortet: Über weite Strecken spielt Mechthild Großmann die Duras, mit selbstbewusster, lebenskluger Stimme, tief und rau vom immerwährenden Gebrauch. Ihr zur Seite steht Jeanne Moreau, mit ihrer ganz ähnlichen Stimme, die lediglich ein bisschen zärtlicher ist und zugleich noch schrundiger. Moreau spricht einige französische Passagen, sie ist nur eine halbe Generation jünger als Marguerite Duras, ihre Lebenswelten ähneln einander. Kai Grehn verlängert den Abschied der Duras durch diese Inszenierung in die Gegenwart, die Autorin ist in Das ist alles. C'est tout. sehr präsent und nicht erinnerte Vergangenheit."
(Stefan Fischer, Süddeutsche Zeitung, 09.03.2012)


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