
Schwarzer Hund. Regie:
Kai Grehn
Komposition: TARWATER
Mit: Vincent Leittersdorf, Maria
Kwiatkowsky, Otto Mellies, Kathrin Wehlisch, Lars Rudolph, Julian Mehne,
Andreas Leupold, Carl Heinz Choynski
Ton und Technik: Jean Szymczak
Regieassistenz: Karena Lütge
Dramaturgie: Katarina Agathos
Länge: 54 min
Produktion: Bayerischer Rundfunk
2011
Hörprobe
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Igor
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Hörspiel
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MARTHA:
Und auf einmal ist von mir die Rede: „Seine Tochter ist eine Mutantin,
ein Opfer der Zone, wie man sagt. Sie hat angeblich keine Beine.“
Nur diese zwei Sätze.
Menschenleere Landschaft, Stille. Wo der Mensch Lebens- und Zivilisationsräume
zerstört, zieht er Zäune hoch und zirkelt Todeszonen ab. Als sich
am 26. April 1986 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine der größte
anzunehmende Unfall in einem Kernkraftwerk ereignet – Kernschmelze
und Explosion im Block 4 des Reaktors von Tschernobyl – entsteht so
eine Zone. Der Film Stalker von 1979 wirkt wie eine ahnungsvolle Prophezeihung
dieser Katastrophe. Als der Regisseur Andrej Tarkovskij den Film acht Jahre
vor dem Unglück drehte, entschied er sich unter anderem für die
direkte Umgebung des Atomkraftwerkes Tschernobyl als Drehort für die
Geschichte von drei Männern, die in ein abgesperrtes Gebiet voller
tödlicher Gefahren, genannt „die Zone“, eindringen, um
dort zu einem geheimnisvollen Raum zu gelangen, der innerste und verborgenste
Wünsche ans Licht bringt und zu erfüllen vermag. Die zufällige,
doch darum nicht weniger rätselhafte Analogie dieser beiden Zonen ist
Ausgangspunkt für das Hörspiel Schwarzer Hund. Weißes Gras,
das Elemente aus Tarkovskijs Film aufgreift und mit einer fiktiven Handlung
um das Unglück von Tschernobyl verwebt. Ein ehemaliger Kriegsfotograf,
einer der ersten Augenzeugen der Katastrophe, macht sich, nachdem er den
GAU und seine Folgen über zwanzig Jahre hinweg dokumentiert hat, ein
letztes Mal auf den Weg in das verseuchte Gebiet. Er hat einen Tipp bekommen
und ist auf der Jagd nach einem letzten sensationellen Foto. Die Reise ins
Herz der Zone wird zur erneuten Konfrontation mit den Folgen des Unglücks
und zugleich zur Suche nach einem Wunder, die erst durch das Zusammentreffen
mit Martha beendet wird, der strahlungsgeschädigten Tochter des Stalker.
Der Aufbruch in die Zone des Schrecklichen und zugleich des Wunderbaren,
in ein „Paradies ohne Menschen, bevölkert von blinden Vögeln
und gigantischen Wildschweinen“ stellt die menschliche Zivilisation
in Frage, forscht Möglichkeitsräume des Nichts aus und reflektiert
die Chancen einer künstlerischen Erfassung vom Wesen und Sinn des Lebens.
Nahaufnahme aus der GAU-Zone
"Wer Kostins Fotos und/ oder
Tarkowskijs Film nicht kennt, mag Verständnisprobleme haben. Es gelingt
der Regie jedoch nicht zuletzt durch den sensiblen Einsatz der Musik des
Elektronikduos Tarwater, das seine Laufbahn in der DDR einst in der Punkszene
begonnen hatte, der Produktion Kohärenz zu geben. Den roten Faden bildet
für den Hörer vor allem die Stimme von Otto Mellies in der Rolle
des "Regisseurs" (also: Tarkowskijs). Mellies gelingt es, auch
disparate, auseinanderstrebende, schwer nachvollziehbare Elemente des Textes
zu binden und ihm auf diese Weise zu der Intensität zu verhelfen, die
er seinem Thema schuldet."
(Angela
di Ciriaco-Sussdorff, Funkkorrespondenz, 27.5.2011)
www.tarwater.de