
Hyperion
nach dem Briefroman von
Friedrich Hölderlin
Hörspielbearbeitung/ Regie:
Kai Grehn
Komposition:
Kai-Uwe Kohlschmidt
Mit:
Ulrich Noethen, Jule Böwe, Vincent Leittersdorf, Matthias Haase, Nicolaj
Alexander Brucker, Andreas Szerda, Gertraud Heise, Heinz Schimmelpfennig
Tonaufnahmen:
Wolfgang Rein & Judith Rübenach
Mischung im
LoFi-Studio: ZAP
Länge:
101 min (Short Cut: 85 min)
Dramaturgie:
Hans-Burkhard Schlichting
Eine Produktion des
SWR 2004
Hörprobe
(MP3/ 2,5MB)![]()
HYPERION:
Nicht eingeschränkt werden vom Größten und doch umschlossen
werden vom Kleinsten ist göttlich.
Friedrich Hölderlin, dessen Gesamtwerk erst der Nachwelt erschlossen
wurde, verdankte seine Leserschaft bei Lebzeiten vor allem dem Briefroman,
der 1797/99 bei Cotta in Tübingen erschien. Vor dem Hintergrund des
griechischen Freiheitskampfes seit 1770, der Hölderlins Generation
für die Wiederbelebung antiker Ideale begeisterte, spiegelt der Roman
auch den unterdrückten Freiheitsdrang im eigenen Lande. Die brieflichen
Unterhaltungen des Griechen Hyperion mit seinem deutschen Freund Bellarmin
und seiner geliebten Diotima sind bittere Analysen der eigenen Gegenwart
und Rückblicke auf hoffnungsvolle Versuche, an der Misere der Verhältnisse
etwas zu ändern. Hyperion, zu deutsch der Drobenwandelnde, verrät
die Ideale nicht, die er zu leben versucht, und bewahrt gerade im Rückzug
seine kritische Position.
„Die Architektur von Friedrich Hölderlins Hyperion ist keine
epische fortschreitende, sondern vielmehr eine lyrische, um nicht zu sagen:
eine musikalische Komposition. In der ersten Mischung des Hyperion-Hörspiels
(dem sogenannten "Berauschet-Euch-Mix") wurde versucht, diese
Komposition, 200 Jahre nach der Entstehung des Textes, zum „Tönen”
zu bringen, indem Hölderlins Sätze als Partitur für eine
orpheussche Reise dienen, nahezu durchgehend begleitet von der „Laute“
des 20. Jahrhunderts, der elektrischen Gitarre”, schreibt Autor und
Regisseur Kai Grehn. Er inszenierte diesen 101minütigen Hörgenuß
teilweise im Hölderlinturm in Tübingen.
In einer zweiten Mischung, dem sogenannten „Silence-Mix” (97
Minuten), wurde auf Musik unter allen Hölderlinturm-Szenen verzichtet,
um die Hölderlinsche Sprache „a capella” erklingen zu lassen:„In
der Tat, diese Prosa ist Musik, weiche schmelzende Klänge, von schmerzlichen
Dissonanzen unterbrochen, endlich verhauchend in düstren, unheimlichen
Grabliedern.” (Friedrich Nietzsche 1860 über Hyperion)
Von beiden Mixen existiert eine 85 minütige Kurzfassung.
"Die bitteren Gegenwartsanalysen des Griechenjünglings Hyperion
in seinen Unterhaltungen mit dem Freund Bellarmin und der Geliebten Diotima
verwebt Kai Grehn zu einem feinfühligen Hörspiel."
(Süddeutsche Zeitung, 04.05.2005 )
www.hoelderlin-gesellschaft.de