Radio - Hörspiele

Cover Dickicht gaia 125
von Kai Grehn



Regie: Kai Grehn
Sounds: alva noto aka Carsten Nicolai
Sprecher: Ernst Meincke, Detlef Bierstedt, Ana Fonell,
Sven Plate, Charles Rettinghaus, Maxim Ko
valevski und
Gregori Kofman
Technische Realisation: Z.A.P.
Mischung im
LoFi-Studio
Länge:
41 min
Eine G.A.I.A.-Autorenproduktion, 1999
Remix im
4tune-Studio, 2005


DownloadsymbolHörprobe
(MP3/ 1,5MB)

PICARD: Während Sie Ihre Aufmerksamkeit auf meine Stimme richten, versuchen Sie zu verstehen, was es bedeutet, wenn jemand sagt: SCHLIESSEN SIE JETZT DIE AUGEN! Sobald sie die Augen schließen und sich langsam entspannen, werden sie meine Stimme hören, die einen Countdown einzählt von der Zahl Zehn bis zur Zahl Null. Bei Null werden sie sich in den Tiefen des Weltalls befinden, in einer kosmischen Umlaufbahn 300 Kilometer über der Erde. Ich beginne den Countdown einzuzählen...

"Kein Wind, keine Kühle, kein Geruch sagt ihnen, dass sie mit der Erde verbunden sind." Hier draußen ist schlichtweg nichts, nur diese Stimme, die einen immer weiter ins Universum hinaus lockt. Es sei, so sagt die Stimme, als ob man sich im Inneren einer Seifenblase aufhielte. Außen herum existiert nur die Schwärze des Weltalls, übersäht mit bunten Lichtpunkten: "Da ist Erhabenheit - aber ein Willkommen nirgends." Kai Grehn hat eine akustische Raumkapsel konstruiert: "G.A.I.A. 125", ein Hörspiel, in das er Originalaufnahmen des Funkverkehrs von Juri Gagarin montiert hat, der als erster Mensch im Weltall war. Diese Zitate hat Grehn mit sphärischer Musik von Carsten Nicolai gesampelt. Zusammen ergeben Gagarins melodischer Singsang und die kargen Tonfolgen Nicolais so etwas wie die Trägerrakete für die Grehnsche Seifen oder Sprechblase. (...) Die deutschen Synchronstimmen von Star Trek - The Next Generation, darunter Ernst Meincke, Detlef Bierstedt und Charles Rettinghaus, inszenieren dazu einen Countdown, an dessen Ende nicht der Start der Raumfähre steht, sondern die Ankunft in den Tiefen des Alls. Man folgt vor allem der zentralen, rattenfängerhaften Stimme bedenkenlos, die Gefahr und die Ausweglosigkeit dieses Trips zwar ahnend; doch wird beides überwölbt von der Klarheit der Gedanken, die keine Ablenkung erfahren, und von der Schönheit und Zartheit, mit der die ferne Erde beschrieben wird. So unerreichbar das All bleibt: "G.A.I.A. 125" ist keine Science Fiction. Eher eine Meditation, gänzlich frei von esoterischem Kitsch.
(Stefan Fischer, Süddeutsche, 10.04.2006)


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