Radio - Hörspiele


Cover WALSER DAS IST ALLES. C'EST TOUT.
Hörspiel nach Texten von Marguerite Duras
Aus dem Französischen von Andrea Spingler



Hörspielbearbeitung/ Regie: Kai Grehn
Komposition: Mariahilff
Mit: Mechthild Großmann, Jeanne Moreau, Alexander Fehling
Gesang: Lars Rudolph
Ton: Martin Seelig & Susanne Bronder
Regieassistenz: Annika Erichsen
Länge: 54 min
Dramaturgie: Juliane Schmidt
Eine Produktion des RBB 2012


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(MP3/ 4,1MB)

MARGUERITE DURAS: Ich bin eine Liebende. Du bist ein Liebender.
Viens. Viens dans le soleil, quel qu'il soit.


Sie sitzt in ihrem Haus in Neauphle-le-Château. Sie schreibt. Sie trinkt. Bisweilen ist ihr Liebhaber um sie, spricht mit ihr, pflegt sie. Dann wieder ist da nichts als das Summen einer sterbenden Fliege. Marguerite Duras, die Grande Dame der französischen Literatur, lebte in ihren letzten Lebensjahren zurückgezogen, mal in ihrer Pariser Wohnung, mal in ihrem Haus in der Normandie. Schaffensphasen wechselten sich ab mit Schreibblockaden, Alkoholexzessen und Klinikaufenthalten. Anfang der 1980er Jahre hatte sie Yann Andréa Steiner kennen gelernt. Der Philosophiestudent, Mitte zwanzig, hatte sich in die fast 40 Jahre Ältere und ihre Romane verliebt. Mit ihm erlebt sie ihre letzte große Liebe, eine Passion zwischen Begehren und Zurückweisen, Gebrauchtwerden und Überdruss, dem Bedürfnis, allein zu sein und der Angst vor der Einsamkeit und dem nahenden Tod.


Der letzte Auftritt
"Ein großer Abgang: In ihrem letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Text, C'est tout, hat die französische Schriftstellerin Marguerite Duras 1995 über den eigenen, nahenden Tod geschrieben - und die Leidenschaft, mit der sie lebte. Sie erlaubte sich zum Ende also noch einmal einen beachteten Auftritt. Kai Grehn hat diesen Text nun als Hörspiel inszeniert, er hat diesen Monolog zwei Schauspielerinnen überantwortet: Über weite Strecken spielt Mechthild Großmann die Duras, mit selbstbewusster, lebenskluger Stimme, tief und rau vom immerwährenden Gebrauch. Ihr zur Seite steht Jeanne Moreau, mit ihrer ganz ähnlichen Stimme, die lediglich ein bisschen zärtlicher ist und zugleich noch schrundiger. Moreau spricht einige französische Passagen, sie ist nur eine halbe Generation jünger als Marguerite Duras, ihre Lebenswelten ähneln einander. Kai Grehn verlängert den Abschied der Duras durch diese Inszenierung in die Gegenwart, die Autorin ist in Das ist alles. C'est tout. sehr präsent und nicht erinnerte Vergangenheit."
(Stefan Fischer, Süddeutsche Zeitung, 09.03.2012)